Creaclic - Kreative Medienpädagogik

AUS SICHTEN

Ein Filmprojekt mit sehbehinderten, blinden und sehenden Filmstill AUS SICHTENMenschen in Cuxhaven

Projektzeitraum: 01.05.2013-31.12.2013

Kooperationspartner: Blinden- und Sehbehinderten Verband Cuxhaven, Bali Kino

 

 

Ein Film mit Blinden und Sehbehinderten? Diese Idee klingt zuerst einmal paradox. Dass das aber nicht so ist und sich genau darin spannende Fragen spiegeln, hat das Filmprojekt „Aus Sichten“ mitsehbehinderten, blinden und sehenden Menschen in Cuxhaven gezeigt.  Die Teilnehmer haben ihre Wahrnehmung auf künstlerische Weise untersucht und drei kurze Filme von ein bis drei Minuten erarbeitet. Die Filme thematisieren die Bedeutung von Schönheit und "Sehen" im weitesten Sinne. 

„In Träumen erzählen mir Stimmen, wie die Welt aussieht. Ich reise und die Stimmen führen mich durch die Städte und beschreiben mir ganz genau, was es alles gibt“, sagt Osman Mohammadi in seinem Film. Er sieht nichts, aber er spürt, er riecht und fühlt die Wiese mit dem hohen Gras, auf der er steht. Das alles sieht der Zuschauer, Osman Mohammadi sieht es auch, nur eben anders. Neben ihm steht seine Tochter. Sie kann den Falken erkennen, der plötzlich auf die beiden zufliegt – und sich auf den Arm ihres Vaters setzt. Er kann den Raubvogel spüren, wie er auf seinem Arm sitzt. Plötzlich fliegt der Falke wieder weg und Osman Mohammadis Stimme ist zu hören: „Vor 15 Jahren habe ich geträumt, dass ich nach Europa komme. Manche Träume gehen in Erfüllung, manche nicht.“

Filmstill

Die Filme nähern sich auf poetische Weise dem Thema „Sehen“. Auch die Zuschauer der Filme können die Bilder nicht immer erkennen, die Augen versuchen, das Bild scharf zu stellen – doch erst langsam erkennen sie, was da zu sehen ist. Aus unscharf und verschwommen wird nach und nach Wasser, schlammig-graues Wasser, das im Sonnenlicht glitzert. So nähern sich auch die Bilder der Filme dem Thema an.

Was bedeutet „Sehen“? Geht das nur über die Augen? Was ist Schönheit für Menschen, die mit den Augen nicht sehen können? Wie träumen Menschen, die nicht sehen können? Das sind einige der Fragen, die in den Filmen gestellt werden – und auch die Zuschauer zum Nachdenken anregen, das eigene Sehen zu reflektieren und die „Sehgewohnheiten“ zu überdenken.

Die sehbehinderten Teilnehmer des Projektes sind auch an der Produktion der Filme beteiligt gewesen. In der Überwindung dieses Paradoxes wurden Vorurteile und Berührungsängste abgebaut. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehinderten Verband Cuxhaven durchgeführt, in Zusammenarbeit mit der Projektmitarbeiterin Petra Heiden.

Potskarte

Die entstandenen Kurzfilme hatten im Balikino Cuxhaven Premiere, hier konnte sich das Publikum an einem Gespräch beteiligen und Hintergründe des Filmprozesses erfahren. Anschließend waren die Filme im Bali Kino in Cuxhaven zu sehen, im Anschluss an die Filme wurden Postkarten mit Filmstills hergestellt.

Die Zuschauer wurden so mit einem ungewöhnlichen Filmformat konfrontiert. Filme von sehbehinderten und blinden Menschen – auch die Zuschauer waren durch diese paradoxe Thematik erst einmal irritiert. Umso interessanter war dann, dass die Zuschauer sehen konnten: das geht! Durch das Projekt „Aus Sichten“ wurden die Zuschauer auch an die Thematik der Inklusion herangeführt und dafür sensibilisiert.

www.aussichtencuxhaven.tumblr.com

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